Dachbegrünung
Extensive und intensive Dachbegrünung:
Ein Überblick über Systeme, Vorteile und Unterschiede
Die Dachbegrünung hat in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewonnen – nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern vor allem wegen ihrer ökologischen, wirtschaftlichen und städtebaulichen Vorteile. Dabei wird grundsätzlich zwischen extensiver und intensiver Dachbegrünung unterschieden. Beide Begrünungsformen verfolgen unterschiedliche Ziele und Anforderungen. Dieser Artikel bietet einen fundierten Überblick über die beiden Begrünungstypen, ihre Eigenschaften, Vorteile sowie Einsatzmöglichkeiten.
Was ist Dachbegrünung?
Unter Dachbegrünung versteht man die Bepflanzung von Flachdächern oder geneigten Dächern mit Vegetation. Je nach Aufbau, Pflegeaufwand und Nutzung unterscheidet man zwei Hauptformen:
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Extensive Dachbegrünung
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Intensive Dachbegrünung
1. Extensive Dachbegrünung
Merkmale:
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Substrathöhe: ca. 5–15 cm
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Gewicht: leicht (60–150 kg/m², je nach Feuchtigkeit)
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Pflegeaufwand: gering
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Pflanzenarten: Moose, Sedum-Arten, Gräser, Kräuter
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Nutzung: nicht begehbar (nur Wartung)
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Kosten: vergleichsweise gering
Vorteile:
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Geringes Gewicht: Eignet sich gut für bestehende Gebäude ohne besondere statische Anforderungen.
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Wartungsarm: Nach der Anwuchsphase nur gelegentliche Pflege nötig.
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Ökologisch: Fördert Biodiversität, verbessert Mikroklima, reduziert Feinstaub und CO₂.
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Wasserhaushalt: Rückhaltung von Regenwasser, Entlastung der Kanalisation.
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Langlebigkeit: Schützt die Dachabdichtung vor UV-Strahlung und Temperaturschwankungen.
Einsatzbereiche:
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Wohn- und Gewerbebauten
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Carports, Garagen, Bushaltestellen
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Industriegebäude
2. Intensive Dachbegrünung
Merkmale:
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Substrathöhe: ab 20 cm (teilweise bis 1 m)
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Gewicht: hoch (300–1000 kg/m²)
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Pflegeaufwand: hoch (ähnlich wie bei konventionellen Gärten)
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Pflanzenarten: Stauden, Sträucher, Rasen, kleine Bäume
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Nutzung: begehbar, als Garten oder Aufenthaltsfläche nutzbar
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Kosten: deutlich höher als bei extensiver Begrünung
Vorteile:
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Gestaltungsspielraum: Hohe ästhetische und funktionale Vielfalt (z. B. Gärten, Spielplätze, Aufenthaltsbereiche).
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Zusätzliche Nutzfläche: In urbanen Gebieten wertvoll als Erholungsraum.
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Isolationswirkung: Verbesserte Dämmung gegen Hitze und Kälte.
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Wertsteigerung: Attraktivitätsgewinn für Immobilien.
Einsatzbereiche:
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Dächer mit tragfähiger Statik (z. B. Neubauten)
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Büro- und Wohngebäude mit Dachterrassen
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Öffentliche Gebäude, Schulen, Krankenhäuser
3. Vergleich: Extensive vs. Intensive Dachbegrünung
| Kriterium | Extensive Begrünung | Intensive Begrünung |
|---|---|---|
| Substrathöhe | 5–15 cm | 20–100 cm |
| Gewicht | 60–150 kg/m² | 300–1000 kg/m² |
| Pflegeaufwand | Gering | Hoch |
| Kosten | Niedrig | Hoch |
| Pflanzenarten | Sedum, Moose, Kräuter | Stauden, Gräser, Sträucher, Bäume |
| Nutzung | Nicht begehbar | Begehbar |
| Gestaltungsmöglichkeiten | Eingeschränkt | Sehr vielfältig |
4. Fördermöglichkeiten und rechtliche Aspekte
In vielen Städten und Gemeinden werden Dachbegrünungen durch finanzielle Zuschüsse, steuerliche Vorteile oder erleichterte baurechtliche Vorgaben gefördert. Zudem können Dachbegrünungen im Rahmen der Regenwasserbewirtschaftung (z. B. bei Niederschlagswassergebühren) eine Rolle spielen. Auch die Energieeinsparverordnung (GEG) und das Gebäudeenergiegesetz berücksichtigen begrünte Dächer zunehmend positiv.
5. Fazit
Ob extensive oder intensive Dachbegrünung – beide Systeme tragen erheblich zur ökologischen Aufwertung urbaner Räume bei. Während sich extensive Begrünungen durch ihre Kosteneffizienz und einfache Umsetzung auszeichnen, bieten intensive Begrünungen vielseitige Nutzungsmöglichkeiten und gestalterische Freiheiten.
Die Wahl des Systems hängt letztlich von Faktoren wie Dachtraglast, Nutzungswunsch, Pflegebereitschaft und Budget ab. In jedem Fall leisten begrünte Dächer einen wertvollen Beitrag zur Stadtklimaverbesserung, Artenvielfalt und nachhaltigen Bauweise.